Das Schröpfen

Das Schröpfen

Die Schröpftherapie ist zusammen mit der Kräutertherapie einer der ältesten Therapieformen der Menschheit. Die Wurzeln gehen zurück bis in das mesopotamische Zeitalter. Auch in den pharaonischen Pyramiden sind Schröpfgläser zu finden (Chirali 2007). In der Antike und im Mittelalter wurde in Europa das Schröpfen durchgehend angewendet. Im arabischen und im indischen Raum wird das Schröpfen bis heute praktiziert und wird hier „Hijama“ genannt. Auch in anderen Gebieten dieser Erde, wie in Afrika, in China oder in Lateinamerika, nahm die Schröpftherapie eine wichtige Rolle in der Medizin ein.

In der Schröpftherapie werden 3 Methoden unterschieden:

1. Das trockene Schröpfen (Hijama bila shart)

2. das blutige Schröpfen und (Hijama bilshart)

3. die Schröpfkopfmassage (Tadlik)

Je nach Temperament der Erkrankung und dominierenden Humoralsaft wird eine oder mehrere Schröpfarten ausgewählt und angewendet. In der Unani-Medizin spielen die Körperflüssigkeiten, auch Humoralsäfte genannt, eine wichtige Rolle. Sind die Körpersäfte in ihrer Qualität (Zusammensetzung, Viskosität u.a.) oder in ihrer Quantität verändert, können sie Organe und Strukturen im Körper schaden, was die Ursache von Erkrankungen sein kann. Beim blutigen Schröpfen werden kleine Ritze in die Haut gesetzt aus dem ,mittels Unterdruck im Schröpfglas, pathologisch verändertes Blut dem Körper entnommen werden kann. Studien zeigten eine deutliche Diskrepanz des Schröpfblutes zu dem venösem Blut (Mahdavi et. al 2013). Die Effektivität des Schröpfens ist bereits für einige Erkrankungen durch klinische Studien belegt worden, wie z.b. bei chronischen Nackenschmerzen (Lauche et. al 2012), unspezifisches LWS-Syndrom (Farhadi et. al 2009) und Karpaltunnelsyndrom (Michalsen et. al 2009).

Die Schröpftherapie in der Unani-Medizin ist durch ihre Prinzipien jedoch deutlich vielfältiger, als die Praxis des Schröpfens im arabischen oder auch im europäischen Raum. Die individuelle Diagnosestellung nach ausführlicher Unani-Anamnese und Diagnostik kann einen Unani-Arzt dazu bringen eine Kräutertherapie der Schröpftherapie voranzustellen, um die gewünschten Schadstoffe aus dem Körper eliminieren zu können (Munzij-Mushil-Therapie). Das Ausleiten der schädlichen Stoffe und Flüssigkeiten kann unter anderem durch abführende, emetische oder auch blutausleitende Verfahren, wie die Schröpftherapie oder Aderlass, erfolgen.

Bei anderen Erkrankungen werden Schröpfgläser nur trocken an bestimmte Punkte gesetzt, um diverse Prozesse in Gang zu setzen, wie z.B. über der Brust, um Uterusblutungen zu stoppen oder um die Durchblutung in einem minderdurchblutetem Gebiet zu fördern. Wird fälschlicherweise ein minderdurchblutetes Gebiet blutig geschröpft, dann droht sich eine Verschlechterung der Symptomatik.

Daher ist es vor jeglicher Schröpftherapie überaus wichtig eine ausführliche Unani- Anamnese durchzuführen und die dazugehörige Diagnose zu bestimmen. Dann kann erst die geeignete Schröpfmethode ausgewählt und die zu schröpfenden Areale festgelegt werden. Die Prozedur des Schröpfens an sich ist leicht erlernt, sollte aber erst nach diesen genannten Punkten erfolgen, um einen höchstmöglichen Therapieerfolg zu ermöglichen und eine gegebenenfalls drohende Verschlechterung des Krankheitszustandes zu vermeiden.