Diagnostik

Basierend auf den grundlegenden Prinzipien wurden diagnostische Kriterien über Jahrhunderte hinweg entwickelt. Die Diagnostik zielt darauf ab den Patienten (mit seinem Temperament) und seine Erkrankung (mit ihrem Temperament) zu erkennen. Die individuelle und detaillierte Betrachtung des Patienten ist ausschlaggebend für den Erfolg der darauf basierenden Therapie. Nachfolgend die wichtigsten Diagnosemethoden:

Anamnese:

Wie in der modernen Medizin ist eine gründliche Anamnese das Herzstück der Diagnostik. Hier nehmen jedoch weitreichendere Aspekte eine wichtige Stellung ein. Die Anamnese beinhaltet unter anderem:

  • krankheitsbezogene Aspekte (Art, Beginn, Dauer, Intensivität, bereits erfolgte Therapien…)
  • psychische Aktivitäten (Aggressivität, Freude, depressive Verstimmungen, Wutausbrüche…)
  • soziale Faktoren (Umfeld, Aktivitäten, Familienanamnese…)
  • auslösende Ursachen oder Risikofaktoren
  • Charaktereigenschaften (aktiv, zurückhaltend, kommunikativ, introvertiert, extrovertiert, geduldig, kreativ…)
  • Körpereigenschaften (Körperbau, Haare, Nägel, Hauttemperatur- und Beschaffenheit…)
  • Wohlbefinden und auch Unwohlsein bei bestimmten Einflüssen (Wetter, Temperatur, bestimmte Nahrungsmittel, Situationen…)
  • Verdauung (Appetit, Durst, Stuhl- und Urinfrequenz, bevorzugte Ernährung…)

Je nach Patient und Erkrankung können weitere Faktoren zur Anamnese ergänzt werden. Aus den Antworten ist schon eine generelle Zuordnung zu bestimmten Temperamenten (des Patienten, sowie der Erkrankung) möglich.

Pulsdiagnose:

Zur weiteren Verifizierung des Temperaments des Patienten und der Erkrankung ist die Pulsdiagnose ein wichtiges Hilfsmittel. Hierbei werden in der Unani Medizin vier Finger an der Arteria radialis gesetzt und der erfahrene Hakim/Arzt erkennt hier den Zustand des Patienten. Er achtet bei der Untersuchung unter anderem auf:

  • Geschwindigkeit
  • Höhe / Tiefe
  • Regelmäßigkeit
  • Kraft / Schwäche
  • Fülle / Leere
  • Rhythmik

Urin- und Stuhldiagnostik

Die Verdauung ist ein entscheidender Faktor zur Gesunderhaltung des Menschen. Anhand des Stuhlgangs und des Urins sind Rückschlüsse auf Erkrankungen zu führen. Hier achtet man auf

  • Farbe
  • Konsistenz
  • Geruch
  • Quantität

Diese traditionelle Diagnostik kann durch moderne Methoden, wie Laboruntersuchungen, Ultraschall, CT usw. erweitert werden. Diese bestätigen in der Regel den Befund (bspw. erhöhte Leberwerte durch Leberstörung). Das Temperament der Erkrankung kann auch mittels moderner apparativer Diagnostik verifiziert werden (bspw. Stauungsleber bei zu viel Feuchtigkeit).

Aufgrund dieser komplexen Diagnostik ist ein Erstgespräch sehr zeitaufwendig. Jedoch ist das die Basis für den Therapieerfolg.