Prinzipien der Unani-Medizin

Prinzipien der Unani-Medizin

Die Grundlagen der modernen Medizin liegen ohne Zweifel in der Unani-Medizin, wie durch die geschichtliche Entwicklung der Medizin und u.a. den detailierten Beschreibungen von Anatomie und Krankheiten im „Kanon der Medizin“ von Ibn Sina (Avicenna) bewiesen wird. So beschrieb beispielsweise Ibn Nafis erstmals den kleinen Lungenkreislauf und die Koronarien und Ibn Sina erstellte die Typisierung der Gelbsucht.  Im „Kanon der Medizin“ entdeckt man Kapitel über Anatomie, Physiologie, Pathologie, Antlitz- und Körperdiagnostik, Pharmakologie, Kardiologie, Gastroenterologie, Nephrologie, Hepatologie, Onkologie, Chirurgie, Gynäkologie, Pädiatrie, Neurologie, Oto-Rhino-Laryngologie, Zahnmedizin, Ophthalmologie, Dermatologie, Toxikologie, Traumatologie, Urologie, Umweltmedizin, Arbeitsmedizin, Sportmedizin, Präventivmedizin, Ästhetik und Reisemedizin.

Das Basiskonzept zur Gesunderhaltung des Menschen in der Unani-Medizin besteht darin, die Einflüsse auf den Körper zu beachten, diese bei Bedarf zu stärken oder ihnen entgegenzuwirken und den Körper somit in einem Gleichgewicht zu halten. Es werden „essentielle“ von „nicht essentiellen“ Einflüssen unterschieden. Die sechs essentiellen Einflüsse wirken unabdingbar und werden „Asbab Assitta Al-Daruriah“ genannt. Diese sind:

  1. Umwelt / Luft
  2. Essen und Trinken
  3. körperliche Bewegung und Ruhe
  4. Schlafen und Wachen
  5. Ausscheidung und Zurückhaltung
  6. Gemütsbewegungen und Ruhe

Diese Faktoren müssen ausgeglichen sein, bei einem  Ungleichgewicht, beispielsweise übermäßiges Essen, Schlafen oder Zurückhaltung, drohen Krankheiten. Die einzelnen Punkte und die „nicht essentiellen Einflussfaktoren“ auszuführen würde den Rahmen dieser Seite sprengen.

Jeder Mensch wird in der Unani-Medizin umfassend und individuell gesehen. Dabei sind zwei Parameter, die im Körper und in der Umwelt wirken, von äußerster Wichtigkeit: die Temperatur und der Feuchtigkeitsgrad.

So werden warme und kalte Körper, sowie warme und kalte Krankheiten unterschieden. Die Körpertemperatur kann dabei noch im Normbereich sein, jedoch fühlt der Mensch oder im Krankheitsfall der Patient, dass ihm kalt bzw. warm ist. Menschen mit warmen Temperamenten (Sanguiniker und Choleriker) ertragen in der Regel die Kälte besser als die Menschen mit kalten Temperamenten (Phlegmatiker und Melancholiker) et vice versa. Auch bei den Krankheiten sind saisonale Unterschiede zu erkennen, die entsprechend der vorherrschenden Temperatur und Feuchtigkeitsstufe zu unterscheiden sind. So finden sich kaltfeuchte Erkrankungen (beispielsweise Diarrhoe, Erkältungen und Asthmaanfälle…) vermehrt zur kalt-feuchten Jahreszeit. Die Therapie erfolgt allopathisch, also in diesem Fall mit warm-trockenen Anwendungen und Arzneien, um diese Qualitäten ins Gleichgewicht zu rücken.

Die Qualitäten (warm, kalt, feucht und trocken) sind die Basis der Vier-Elementelehre, die bereits vor 2500 Jahren bei Empedokles beschrieben und seitdem weiterentwickelt wurde. Die Interaktion dieser Qualitäten miteinander bilden die Temperamente. Die Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft spiegeln die herrschenden Aktivitäten auf der Erde wieder und bilden die kleinste physikalische (nicht chemische) Einheit. Die Interaktionen der Elemente im Makrokosmos spiegeln die Vorgänge im Mikrokosmos wieder. Ihre zugehörigen Temperamente sind

  • Feuer – warm und trocken

  • Luft – warm und feucht

  • Wasser – kalt und feucht

  • Erde – kalt und trocken

Auch den Körperflüssigkeiten (auch Körpersäfte genannt) werden bestimmte Qualitäten zugeschrieben. So ist der Schleim (arab. Balgham, griech. Phlegma) kalt und feucht, das Blut (arab. Dam, griech. Sanguis) warm und feucht, die gelbe Galle (arab. Safra, griech. Cholera) warm und trocken und die schwarze Galle (arab. Sauda, griech. Melancholera) kalt und trocken. Die Körperflüssigkeiten können in ihrer Qualität und/oder in ihrer Quantität verändert sein, was eine Erkrankung herbeiführen kann. Hier kann die betroffene Körperflüssigkeit entweder in ihrer Qualität korrigiert oder bei Überfülle ausgeleitet werden, um Gesundheit wiederherzustellen.

Zusammengefasst ist der Mensch als Teil des Universums zu sehen, der Einflüssen von der Umwelt ausgesetzt ist, sich ständig anpassen und für sein eigenes Wohl sorgen muss. Die Therapie eines Patienten hängt unter anderem von seinem individuellen Temperament, der vorherrschenden Körperflüssigkeit, der Jahreszeit, des Alters und der Umgebung ab. All diese Faktoren wurden über Jahrhunderte analysiert, empirisch untersucht und dokumentiert und stehen uns heute zur weiteren Forschung und Vervollständigung zur Verfügung.