Therapie

Therapie

Nach erfolgreicher Diagnosestellung (nach den Unani-Prinzipien) ist die passende Therapiemethode aus den verschiedenen Therapiearten auszuwählen. Diese kann, je nach Dauer und Art der Erkrankung, auch in mehrere Stufen erfolgen. Eine regelrechte Verdauung ist die Basis für jede Therapie damit krankheitsverursachenden Faktoren nicht angestaut, sondern ausgeschieden werden. Es werden allgemeine von spezifischen Therapien unterschieden. Ziel ist es den Körper mit seinen einzelnen Organen und Körperflüssigkeiten sowie die psychische Aktivität in einen Normalzustand (in ein Gleichgewicht) zu bringen. Bei heißen Erkrankungen sind kühlende Therapien und bei feuchten Erkrankungen sind trocknende Maßnahmen nötig und vice versa. Bei einem Überschuss an einer Körperflüssigkeit ist ein ausleitendes Verfahren angezeigt, wobei bei einer qualitatven „Unreife“ der Flüssigkeiten oder der Organe stimulierende und aufbauende Maßnahmen notwendig sind.

Die Unani Medizin beschreibt 4 Arten der Therapien:

  1. Ernährungstherapie (Ilaj bil ghiza)

Jede aufgenommene Nahrung hat einen Einfluss auf den Körper. Daher ist es sehr wichtig, darauf zu achten, was man isst. Eine abwechslungsreiche und vollwertige Ernährung ist die Grundlage, jedoch wird es in der Unani-Medizin noch weiter spezifiziert. Es werden nämlich Nahrungsmittel, die den Körper erwärmen (Chili, Ingwer, Pfeffer…) von Nahrungsmittel, die den Körper kühlen (Joghurt, Essig, Melone…) unterschieden. Weiterhin ist ein trocknender (durch Rind, Pfeffer, Kaffee…) und ein befeuchtender Effekt (durch Wasser, Milchprodukte, Öle…) zu erkennen. Die alltägliche Auswahl der Nahrungsmittel soll alle Qualitäten (warm, kalt, trocken und feucht) enthalten, jedoch sollte bei einer Erkrankung bspw. bei einer kalt-trockenen Erkrankung eher zu warm-feuchten Nahrungsmittel gegriffen werden. Greift man immer wieder zu kalt trockenen Nahrungsmitteln, dann kann die Erkrankung verschlimmert werden und der Therapieerfolg setzt nicht oder nur stark verzögert (durch andere Maßnahmen) ein.

2. Arzneitherapie (Ilaj bil dava)

Es werden einfache von zusammengesetzten Arzneien unterschieden. Auch hier sind alle Arzneien nach ihren Qualitäten (warm, kalt, trocken, feucht) aber auch nach ihrer spezifischen Wirkung unterteilt (krampflösend, verdauungsfördernd, fiebersenkend…). Bei warmen Erkrankungen ist eine passende Arznei für die Therapie auszuwählen, die zusätzlich die Eigenschaft „kühlend“ hat.

3. Anwendungen (Ilaj bil tadbeer)

Hierzu gehören Anwendungen, wie Schröpfen, Blutegel, Purgieren, Einläufe, Hammam (Dampfbad), Sauna, therapeutisches Erbrechen u.a. Wie bei allen Therapiemaßnahmen sind auch hier die Temperamente der Erkrankungen und die der Patienten zu beachten.

4. Operative Eingriffe (Ilaj bil yad)

Die arabischen Ärzte haben große Meilensteine für die modernen operativen Eingriffe gesetzt. So hat Al-Zahrawi bspw. bereits neurochirurgische Operationen durchgeführt. Die moderne Medizin hat jedoch diese Therapiemethode erfolgreich weiterentwickelt, so dass sie in der heutigen Praxis nur vereinzelt einen Stellenwert besitzt. Kauterisationen gehören auch in diese Kategorie der Heilmethoden.

Jeder Patient bekommt nach der Bestimmung seines Temperamentes eine Anleitung für die Ernährungstherapie. Dann ist eine Auswahl aus den passenden Arzneien oder Anwendungen zu treffen. Auch die Kombination dieser drei Therapiemethoden ist möglich. Die operativen Eingriffe sind jedoch immer die letzte Entscheidung falls die anderen Maßnahmen allein nicht wirksam sind. Eine spezielle Art der Therapie, die Munzij-Mushil-Therapie, werden wir hier in Zukunft näher erläutern.